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Pin it up on the wall …
PETER GOWLAND'S GIRLS
Modell: Candace Thayer
Silbergelatineprint, 25 x 20 cm, 1968
© Peter Gowland / Zephyr
Frisch auf den Tisch  |  Herbst 2016:   
Glamour Photos – ein Millionenseller
Girls, Girls, Girls … abgelichtet in erotisch verführerischer Pose. Am Beach, Pool oder Studio. Leicht geschürzt, nackt, als Sekretärin, Serviererin oder Unschuld vom Lande. Aufgenommen mit einer zweiäugigen Kamera im Format 4x5 oder 8x10. Per Bestellkatalog und oder Kalender unter die Leute gebracht. Avisierte Zielgruppe: Männer.
 
Modell: Venetia Stevenson 180 x 1500 cm
Ausschnitt, 180 x 810 cm, Acryl auf Leinwand, 2014 Modell: Dane Arden Modell: Jayne Mansfield und Mickey Hargitay
 
Eine Selbstvermarktungsstrategie, besser: ein Geschäftsmodell, das dem amerikanischen Fotografen Peter Gowland (1916- 2010) und seiner Ehefrau Alice ein Leben in Nachbarschaft von Hollywoods Traumfabrik ermöglichte. "America´s No.1 Pin-Up Photographer" titelte 1954 die New York Times.
 

Alice and Peter Gowland
 
800 Bilder umfasst die 1957 erscheinende 1. Ausgabe seines Kundenmagazins (Gowland´s Nachlass zehntausende von Prints und Dias), das mit gestaffelten Preisen je nach privater oder businessmäßiger Nutzung lockt. Sein Œuvre verzeichnet mehr als 1000 Covergirls in Magazinen wie Playboy, Rolling Stone sowie ungezählten Kalendern und Zeitschriften. Der World War II hatte keinen geringen Anteil an Gowland´s kommerziellem Siegeszug: Pinups schafften es während des 2.Weltkrieges nicht nur als Maskottchen auf Bomber der US-Luftflotte, sondern auch in die Spinte der Soldaten und in die Offizierscasinos.
 
Modell: Dolores Donlon
Peter Gowland fotografiert Model Mara Corday
Model: Pat Hall
 
"Seine Aufnahmen spiegelten jenseits seines Hauptthemas den Zeitgeist und die Atmosphäre der US-amerikanischen Gesellschaft der Westküste der 1950er und 1960- Jahre", heißt es im Katalogtext von Thomas Schirmböck, Kurator der Ausstellung und Leiter von ZEPHYR . Sicherlich. Wenn man die in Szene gesetzte Westcoast-Fassade für bare Münze nimmt. Die janusköpfige Realität ausblendet. Denn die hatte den fiktionalen American Dream buchstäblich in einen American Psycho verwandelt: Kommunistenhatz, Inquisitionstribunale, Verschwörungstheorien. Ausgerichtet von US-Senator McCarthy und seinem "House Un-American Activities Committee". Ein düster arrangiertes Setting, das entspannt lächelnde Pinup-Girls mit ihrem "Sun, Surf and Sand Background" konterkarierte.
 
Modell: Jo Anne Aehle + Modell: Judy Tredwell
Silbergelatineprint, 25 x 20 cm, 1954 + 1961/62
© Peter Gowland / Zephyr  
Anyway. Die Ausstellung ist pures sinnliches Vergnügen. Retro-Reizwäsche inklusive. Denn Gowland´s Glamour-Fotos repräsentieren ein Frauenbild der Nachkriegsjahre, das die Filmikone Doris Day so unvergleichlich zu verkörpern wusste: sauber, adrett, liebreizend.
 
Dass die Ausstellungsmacher/rem-museen eine Partnerschaft mit der Unternehmensgruppe Pfitzenmeier eingingen, die nach eigener Aussage, die zwei Welten Kunst und Fitness verbindet, erscheint nach mehreren Denkanläufen plausibel. Die Allianz mit "BILD", Deutschlands Boulevardblatt par excellence, erstaunt indes. Warben die in der Vergangenheit nicht verkaufsgeil mit "The big tits on the frontpage"?
Klaro - Abgehakt. BILD gilt mittlerweile unter Betreibern der Kulturtempel als hoffähig. BILD und Kunst sind kompatibel. Dank Trendsettern. Die Trendwende, argumentieren diese kunsttrainierten Vorreiter, kommt last not least der Intention der Museen entgegen, Publikumsmassen durch die hehren Hallen zu treiben.
 
Das Credo: Sex sells. Peter Gowland´s Girls und die auflagenstärkte Boulevardzeitung Deutschlands ("Bild Dir Deine Meinung!") sind hierfür der beste Garant.
 
PS: Und Schillers Ästhetikbegriff? – War gestern. (Ätsch bätsch)
Peter
Gowland´s
Girls

Kehrer Verlag,
HD 2016 192 S., Hardcover,
39,90 €
(Museumspreis des Katalog 29,90 €)
  Katalog Peter Gowland´s Girls
     
09.102016 – 29.01.2017
ZEPHYR – Raum für Fotografie
im Museum Bassermannhaus C4, 9
Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim