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Frühjahr 2016






 
"Kunst vs. Unkultur"  
Schön im landläufigen Sinn ist die East Side Gallery, der in den 1990er von Künstlern aus aller Welt bemalte Überrest der Berliner Mauer zwischen Ostbahnhof und Oberbaubrücke, nicht. Eher Relikt aus der Zeit, als Deutschland in zwei Zonen aufgeteilt war. Von der Tourismusindustrie gerne als "längste Open-Air Galerie der Welt" (1300m) vermarktet und somit unabdingbares Pflichtprogramm für jeden Berlin-Touristen.

Nach dem Mauerfall, November 1989, machten sich sowohl die `Mauerspechte´ als auch der Berliner Senat ohne Verzögerung daran, den antifaschistischen Schutzwall und sonstige Denkmäler sozialistischer Unkultur im Eiltempo zu demontieren. Lediglich auf der Kunstmeile am Spreeufer sieht man noch Honecker und Breschnev beim Bruderkuss.

links::Mauergemälde von Dmitri Wladimirowitsch Wrubel 2007 - Mein Gott, hilf mir, diese tödliche Liebe zu überleben 
rects: Fotovorlage von Barbara Klemm: Bruderkuss – Leonid Breschnew und Erich Honecker beim 30. Jahrestag der 
DDR, Ost-Berlin, 1979

Heutige Zeitgenossen bedauern vielfach den Verlust der blinder Zerstörungswut anheimgefallenen Mauertrasse. Das mit Todesstreifen, Stacheldraht, Panzersperren und Überwachungstürmen errichtete, ca. 160 km lange Grenzbefestigungssystem, hätte sich ihrer Ansicht nach, exzellent für anschaulichen Geschichtsunterricht, aber auch als Erlebnisparcour



geeignet.  Laut gut informierten Kreisen, soll eine belgische Unternehmensgruppe und Betreiberin des Haßlocher Freizeitparks  (installierte den ersten Free Fall Tower in Deutschland), beim Berliner Senat diesbezüglich schon einmal vorgefühlt haben.