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Künstlerportrait:
"Portrait" Gabriele Münter 
Selbstportrait mit Hut, 1919 | Fotografie
Frisch auf den Tisch  |  Winter '12/13:

Die Zeitreise der Gabriele Münter

Wenn sich der Wert von Kunst daran misst, was der Kunstsammler zu zahlen bereit ist, dann hat Gabriele Münter mittlerweile einen krisensicheren Platz auf dem Olymp des rotierenden Kunstmarktes. Im Gegensatz zu Kandinsky, Münters temporärem Lebensgefährten, der schon zu Lebzeiten als Mitbegründer des Blauen Reiter
mit seinen Malerkollegen dort souverän Platz bezogen hatte. 1916 verließ er Münter, "Russenhaus"und Oberbayern und startete eine Solokarriere. Dennoch der Sprung in die Moderne, die malerische Revolution, begann nicht in einer der exponierten Kunstmetropolen, sondern in tiefster oberbayrischer Provinz: in Murnau.
 
Äpfel auf Blau 1908/09   Garten mit Akazien
Stilleben am Fenster
 
Doch zurück in die Gegenwart: Selbst das von krittelnden Kunstgeschichtlern als schwächer ein­geordnete Spätwerk erzielt heute Spitzenpreise. Der Hammerpreis für ein Gemälde von Gabriele Münter (†1962) liegt aktuell zwischen 200 000 und 400 000 Euro. Das zu Lebzeiten an die Berliner Nationalgalerie verkaufte Gemälde Abstraktion brachte der Künstlerin 1952 lediglich 3000 Mark. Die Münter liegt also derzeit gut im Kurs.
 
Der Blaue ReiterEine Neubewertung des schöpferischen Schaffens von Gabriele Münter unternimmt auch Karoline Hille mit ihrer bei DuMont erschienen Publikation Die Künstlerin mit der Zauberhand. Mit bildwissenschaftlicher Betrachtung, Akribie und fundierter Recherche verfolgt sie anhand des Œuvres Münters Vita: Ihren Pioniergeist, mit dem sie bereits 1899 das Medium Fotografie als Vorlage für ihre frühen Bleistiftskizzen auf einer Amerikareise nutzte, die "Maler-WG" in Murnau mit Kandinsky, Jawlensky, Marianne von Werefkin, den Aufbruch in den Expressionismus und ihre Wanderjahre quer durch Europa.
Neujahrsgruss Die Kunsthistorikerin Karoline Hille positioniert Münters diskursive Schaffensrichtungen, ihre über ein halbes Jahrhundert praktizierte "Malkultur" sprich: Münters Bedeutung für die klassische Moderne, neu. Zeit also für die ewigen Klischeenachbeter entweder einen unverstellten Blick auf die Moderne-Auktionen zu werfen, die den Wert der Künstlerin nicht kleinreden, sondern zelebrieren. Oder simpel einen Blick ins Buch.