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Grenzüberschreitender Sommertipp:

Vernissage | 1. Mai 2014 | Foto: Lutz Sternstein, Visuelle Kommunikation Frankfurt a.M.
swr video
Frisch auf den Tisch  |  Sommer 2014:  
"... bis 3. Oktober 2014"

Festung Europa

On ne passe pas lautete die Devise der 630 Mann starken Crew, die sich 1940 in der militärischen Bunkerfestung Schoenenbourg/Elsass (22m tief, 3 km lang) hinter Sprengkammern, Geschützbatterien und meterdickem Stahlbeton verschanzt hatte. Das Fort war Teil des Sicherheitswalls, der vom Norden des Elsass bis zur Schweizer Grenze verläuft: Die Maginot-Linie. Heute ist der nach dem französischen Kriegsminister André Maginot (1877 - 1932) benannte gigantische Verteidigungswall eine Touristenattraktion. Wie sein teutonisches Pendant, der Atlantikwall, wirbt auch er plakativ mit "coolen" Bunkertouren: "Tauche ein in die faszinierende Welt unter Tage."
 
Fort Schoenenbourg Rue Commandant Martial Reynier, 67250 Hunspach, Frankreich
 
UNDERGROUND nennt sich ein künstlerisches Projekt des Stuttgarter Kunstvereins Kontur, das vor dem Hintergrund der deutsch-französischen Erbfeindschaft Position bezieht: 36 internationale Künstlerinnen und Künstler präsentieren in dem düsteren unterirdischen Labyrinth aus Kasematten, Munitionskammern, Geschütztürmen, Maschinenräumen, Treibstofflagern und Befehlsstand Zeichnungen, Skulpturen, Fotografien, Video-, Licht- und Audioinstallationen.
 
Fort Schoenenbourg Rue Commandant Martial Reynier, 67250 Hunspach, Frankreich
 
Artefakte, die in dieser unwirklichen Wirklichkeit wie Fremdkörper wirken. Und doch: Die vorgenommenen künstlerischen Interventionen, Erzählansätze, Projektionen und Bildkompositionen in der Tiefe der Festung Schoenenbourg schaffen eins: Empathie für unsre Welt außerhalb des Bunkers. Wie Fritz Stiers streng ästhetische, meditative Videoarbeit BODHI, die ZeitFlow, das Moment der Erkenntnis eines human being zum Thema hat; oder Pia Maria Martins mit Sound unterlegtes Filmtryptichon ZUM APPELL, Stühle, die in einer Art "Ballet Mécanique" sich formieren, stillstehen, vorwärtsrücken; oder Christoph Rihs Installation CENOTAPH, kopfüber hängende überdimensionale Kerzenhalter aus Beton.
 
Fritz Stier | BODHI | Foto: Lutz Sternstein, Visuelle Kommunikation Frankfurt a.M.
 
Pia Maria Martin | Zum Appel 2005 | Foto: Lutz Sternstein, Visuelle Kommunikation Frankfurt a.M.
 
Christoph Rihs | Cenotaph | Foto: Lutz Sternstein, Visuelle Kommunikation Frankfurt a.M.
 
Profane zweckentfremdende Gebrauchsgegenstände transferiert in ein Tunnelsystem des Wahnwitzes zweier Weltkriege. Lokal verortete Arbeiten, die ein Stück Zeitgeschichte erfahrbar machen. Wie auch Joachim Fleischers Lichtinstallation TOMOGRAMME in einem der Verbindungstunnel: Gescannte Linien aus Licht. Lichtportale, die dem Echo des Grauens und der Devise Keiner kommt durch das Prinzip Hoffnung entgegensetzen.
 
Joachim Fleischer | Tomogramm; 2014 Foto: Lutz Sternstein, Visuelle Kommunikation Frankfurt a.M.