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Polizeifto von Georg Dasch aus dem Jahr 1942 | FBI

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Sommer 2019



 





 
"Die Weltenspringerin"
WIEN   A  G´spür für Wien … hat einer, der "lebend hinter seiner eigenen Leiche geht".
Franz Grillparzer hatte es. Stefan Zweig ebenso. Das unsterbliche Siebengestirn der Musik sowieso.

Ein Tourist braucht es nicht. Der hat sein Touristenpflichtprogramm: Hofburg, Stephansdom, Spanische Hofreitschule, Mozarthaus. Alles Wien - Innere Stadt: zu k.k. Zeiten zweiter bis neunter Bezirk. Von Stefan Zweig als Hort der Kleinbürger tituliert.
"Mozartclones" ©  richter+schwartzkopff 2019
Da war Schubert schon a scheene Leich, der im Sommer 1827 in der Dornbacher Straße 101 logierte. Reisende jedoch, auf der Suche nach diesem "G´spür", umgehen den erstarrten Buttercremeglanz der alten Habsburger Monarchie und steigen im 17.Bezirk ab: Hernals. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts äußerer Bezirk des Proletariats und der „Zuagrasten“ aber auch Vergnügungsort für Bohémiens, Schrammelmusiker, Kokotten und Wiens "gute Gesellschaft". Letztere zumeist incognito versteht sich. Fiaker des Hoch- und Hofadels, der Diplomaten und Hofschranzen biwakierten anno dazumal vor zünftigen Gaststätten, Heurigen, Volkstheatern und leichtlebigen Etablissements. Zum Beispiel das herzogliche Gespann Franz Ferdinands, Thronfolger und passionierter Großwildjäger, dessen pathologischer Schießwut bekanntlich ein Attentäter in Sarajewo ein Ende setzte.

Portrait Dagnar Mathes
Hier also im 17.Berzirk ist die zweite Malerin Dagmar Mathes zu Gange, um zum Beispiel die Zutaten für vegetarische Tagesmahlzeiten einzukaufen. Incognito sozusagen. Dagmar Mathes lebt zwar in Wien, aber ihr Atelier befindet sich in Kathmandu, der Hauptstadt von Nepal, genauer gesagt: in Boudha, dem Tempelbezirk. Dagmar ist Weltenspringerin, bedingt durch ihren Partner, Dr. Klaus-Dieter Mathes mit Professur für Tibetologie und Buddhismuskunde an der Philologisch- Kulturwissenschaftlichen Fakultät. Hält sie sich im Kathmandu-Tal auf, kann man ihr mit etwas Glück auf dem Assan Market beim Gemüsekauf begegnen.
Assan Market
Kurzvita: Dagmar Mathes, Meisterschülerin bei Prof. Dietmar Lemcke an der Hochschule der Künste (UdK) Berlin,1985. In den Jahren 1994 bis 2010 war das Kathmandu Valley ihr Lebensmittelpunkt. Wichtige Stationen, die Ausstellung "A Walk along the Bagmati River", 2004 in der Park Gallery vis-à-vis der Fire Brigade Road. Eine weitere "Miraculous Places" vergangenen April im Taragon Museum.

  • Auditotium Taragon Museum
  • Ausstellungsbesucherin Taragon Museum
  • Austellungsraum Taragon Museum
  • Dagmar Mathes im Taragon Museum
  • Dagmar Mathes Rede im Taragon Museum
  • Innenhof Taragon Museum
  • Park Taragon Museum
  • Vernissage "Miraculous Places" Taragon Museum
  • Vernissage "Miraculous Places" Taragon Museum
KATHMANDU Neben so illustren Zielen wie den altehrwürdigen, am Ende endlos ansteigender Stufen thronenden Tempelanlagen und Stupas, den Thangka-Werkstätten inmitten quirlig chaotischen Stadtverkehrs, unter der Dunstglocke aus benzolgeschwängerten Autoabgasen, gibt es, unweit der City, ein weithin unbekanntes Kleinod der Postmoderne. Touristen zumeist unbekannt, weil kunstsinnig: Das TARAGON. Das in den Siebzigerjahren vom österreichischen Architekten Carl Pruscha erbaute Museum wartet in einer grünen Oase. Ein Geschenk. Ein göttliches. Vom Glücksbringer.Vom Bodyguard der Götterszene: GANESHA, der bei Hindus VIP-Status genießt. TARAGON - oh Wunder: Völlig touristenfrei! Hier kann man sich in kultivierter Stille in die Betrachtung einzigartiger Schätze historischer Photographien, Skizzen und Zeichnungen nepalesischer Künstler/ Kunsthandwerker versenken und staunen ob der Kunstfertigkeit der alten Meister.
Aber lassen wir Dagmar Mathes selbst zu Wort kommen: "Eine neue Phase künstlerischen Arbeitens begann als ich 1993 nach Nepal kam und für viele Jahre mit meinem Mann in Kathmandu lebte. Ich fand dort zurück zu meiner Malerei und dem Thema und Motiven, die mich seit je her berühren und zur künstlerischen Auseinandersetzung herausfordern, der Natur. Ich begleitete meinen Mann auf seinen Expeditionen in die damals noch sehr abgelegenen und ursprünglichen Himalaya Regionen. Die einzigartige Bergwelt mit ihrer oft noch unberührten Wildnis wurde fortan zu einer Quelle der Inspiration. Eine große Bereicherung meiner Kunst war auch die Begegnung mit dem traditionell handgeschöpften Nepalesischen Lokta Papier.
         
"Frozen World III" 50 x 75 cm, mixed media on lokta paper: 2016   "A Mountain Stream" 50x75cm, Mixed media on Lokta paper;2017   "The Waters from Tiger Gate" 58 x 78 cm, mixed media on lokta paper: 2012
         
         
Dagmar Mathes in Katmandu bei der Herstellung von Lokta Papier   "A Rabbit Frozen in a Dream" 50 x 75 cm on lokta paper; 2016
         
         
" It is like in Autumn" 40 x 54 cm, on lokta paper; 2019
  "Almost Paradise" 42 x 56 cm, Mixed media on Lokta paper;2017   "Magical Garden of Muktinath" 75 x 50 cm, Mixed media on Lokta paper; 2018
         
© Dagmar Mathes 2019
Gefertigt aus Pflanzenfasern, in natürlichen Tönungen und in einer Vielfalt von unterschiedlicher strukturellen Oberflächen, entspricht es meiner Vorliebe für natürliche Arbeitsmaterialien. Es veränderte meine Arbeitsweise und prägt den Ausdruck vieler meiner Arbeiten. Experimentieren und zusammenfügen des faserigen Papiers mit anderen pflanzlichen Komponenten, wie Gewürze, Samen und Pflanzenfarben führt zu einem Prozess des Verdichtens und Findens der Strukturen des Bildes. Collageartige Kompositionen dominieren demnach den Charakter vieler meiner Arbeiten."
"Splash" 80 x 70 cm, mixed media on cotton; 2011